Ein neues Buch über die bedrohenden Extreme

Diesmal bereitet dem Lesepublikum ein österreichischer Verlag, der Residenz Verlag mit einem Werk Freude, das aktuelle politische Analysen beinhaltet und den Titel "Aufmarsch
- Die rechte Gefahr aus Osteuropa" trägt (ISBN: 9783701731756). Das Buch ist am 17. Februar erschienen.

Ehrlich gesagt, als ich den Buchdeckel erblickte, dachte ich mir schon: Ach, mit was für einem Sammelsurium können die denn in dem mit dem Geleitwort von Paul Lendvai versehenen Buch schon wieder kommen, das nicht weniger als 304 Seiten haben soll?! Der Verlag beauftragte mit der Arbeit Gregor Mayer und Bernhard Odehnal, die als mittl- und osteuropäische Korrespondenten vorgestellt sind.

Das Buch wird auf der Internetseite des Verlags unter anderem mit dem folgenden Text vorgeführt:

"Rechtsradikale Parteien und neofaschistische Gruppen werden zu einem immer größeren Problem in den neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas. Wahlerfolge in Ungarn und der Slowakei machen ebenso Schlagzeilen wie die blutige Jagd auf Minderheiten durch paramilitärische Gruppen oder Skinheads in Serbien oder Tschechien. Genaue Information über die rechtsextreme Szene im Osten tut not, um das Bedrohungspotenzial, das von ihr ausgeht, richtig einschätzen zu können.
Die Korrespondenten Gregor Mayer und Bernhard Odehnal beobachten seit Jahren die wachsende Bedrohung – und sind dabei mitunter selbst in die Schusslinien geraten. In ihrem Buch beleuchten sie in Reportagen und Analysen die rechtsextreme Szene in Ungarn, Tschechien, der Slowakei, in Serbien, Kroatien und Bulgarien. Sie haben vor Ort recherchiert und aus Gesprächen und Interviews Insiderinformationen gewonnen. Auf dieser Grundlage stellen sie die historischen und die ideologischen Hintergründe in den einzelnen Ländern dar und zeigen, wie gegen Roma, Juden und Homosexuelle gehetzt wird und wie diese rechtsextremistische Propaganda in den Mainstream einsickert. Sie stellen die neue Generation der Führer vor und verweisen auf die Querverbindungen zu rechtsradikalen Gruppen in Deutschland und Österreich, die auf die Schaffung einer Nord-Süd-Achse des „nationalen Widerstands“ hinarbeiten.

Die Autoren benennen deutlich die Gefahr, die von dieser ultranationalistischen Agitation ausgeht – für die politische Stabilität der einzelnen Länder selbst wie für die Demokratie in der Europäischen Union insgesamt."

Foto unten: Bernhard Odehnal

Auf der Webseite des Verlags führen die begeisterten Autoren auch ein Blog, wohin sie regelmäßig ihre ausgesuchten Klugheiten zum Thema schreiben. Das tun sie sogar auch bei Facebook. Der eine Blog-Eintrag trägt den Titel "Tag der Ehrlosigkeit" und wurde am 15. Februar geschrieben, als Quelle die ungarischen Népszabadság Online und ATV angebend. Die Schrift versucht, unseren Nationalfeiertag, den die MNA geschaffen hat, und damit auch die Erinnerung der ungarischen und ausländischen Helden, mit äußerst ärmlichen Mitteln in den Dreck zu ziehen.

Der Verfasser des Blog-Eintrags hat keine blasse Ahnung von der Geschichte des 'Tag der Ehre', verwendet den Begriff 'Hungarismus', währenddessen er ausser des Begriffs selber nichts über diesen weiß. Als Organisator nennt er die MNA, wobei die diesjährige Veranstaltungsreihe im Februar von der Einheitliches Ungarn Bewegung organisiert wurde. Es ist kein Wunder, dass sich, dieser Unkenntnis ungeachtet, sogar zwei Kapitel des Buches mit der MNA beschäftigen, die jeweils die Titel „Trauma und Verdrängung" und „Die Saat geht auf" tragen.

Foto unten: Gregor Mayer

Die Autoren erwähnen in den mit ihnen gemachten Interviews (ebenfalls auf der Internetseite des Verlags verfügbar) natürlich die "rechtsextremistische" Jobbik und auch die Ungarische Garde, fast obligatorisch, könnte man fast sagen. Sie wiederholen Phrasen, die bezüglich sowohl der Ungarischen Nationalen Frontlinie (MNA), als auch der Garde hierzulande in Ungarn schon bis zur Langeweile immer wieder wiederholt werden. Auf diese Weise kommt auch der Serienmord, dessen Opfer Zigeuner waren, ins Bild und den sie mit der Garde in Zusammenhang bringen wollen. Rhetorisch natürlich geschickt, also nicht direkt behauptend, die zwei Dinge aber nebeneinander sagend. Sie erwähnen freilich nicht mehr, dass diese Dummheit nicht einmal in Ungarn ernst genommen wird und dass der eine mutmaßliche Täter über einen starken israelischen Hintergrund verfügt. Das ist aber eine andere Geschichte... Die Autoren meinen, dass in Ungarn der Antisemitismus und die Zigeunerfeindlichkeit stark wäre, was eine falsche Reaktion auf tatsächlich vorhandene Probleme ist. Es ist offensichtlich, dass die Autoren noch nie eine Ziegeunersiedlung in Ungarn besucht haben, nie in Verbindung mit dort lebenden Zigeunern kamen (im Gegensatz zum Verfasser dieser Zeilen), aber das ist auch verständlich, denn es ist ja einfacher, in einem Büro sitzend, wenn man einen guten Gehalt hat, Unsinn herauszufinden, Fakten zu verzerren, als eine wirkliche Aufdeckung des Sachverhalts zu bestreben.

Anknüpfend an das Buch können wir mehrere Behauptungen machen. Irgendjemand in Ungarn versah die Autoren bewusst mit Ideen, man sagte ihnen, was sie über die Ereignisse in Ungarn schreiben sollen. Die beiden Autoren sind obendrein nicht nur nicht sachverständig, sondern kennen sich nicht einmal im Thema aus, ihre großen Erfahrungen sind umsonst großspurig verkündet. Die Gehässigkeit und die Unwissenheit gehen Hand in Hand. Ein wirklicher sachverhaltsklärender Journalist nämlich würde als ein Minimum auch die "extremistischen" Quellen durchlesen, vielleicht hilft ihm ja eine andere Annäherung, ein Problem zu verstehen oder wenigstens besser sehen zu lassen. Wenn man schon unbedingt bestimmte Begriffe verwenden will, sollte man sich wenigstens über die Bedeutung dieser in minimaler Weise im klaren sein. Von diesen Punkten wurden keine in die Praxis umgesetzt, so ist dieses "Werk" genau so wie seine Auftraggeber.

Auf diesem Wege möchten wir uns beim Residenz Verlag und den Autoren Gregor Mayer és Bernhard Odehnal dafür danken, dass sie einen auf sich selber aufmerksam machten, wir versprechen, sie nicht zu vergessen und ihre Machenschaften auch weiterhin nicht aus den Augen zu lassen.

Wenn jemand eine unwiderstehliche Sehnsucht danach hat, den Autoren bezüglich des Themas des Buches konstriktive Kritik mitzuteilen, für den bietet sich nun die einmalige Gelegenheit dazu, er kann es auf den folgenden Internetseiten tun:

http://www.facebook.com/residenzverlag#!/group.php?gid=313612961788&ref=ts

http://www.residenzverlag.at/?m=40&o=1&blg_txt_id=144

Unsere deutschen Freunde oder eben unsere ungarischen Landsleute, die dort zu tun haben, können mit ein bisschen Glück vielleicht den unerschütterlichen und viel erprobten Titanen des Kampfes gegen den Rechtsextremismus an den vom Verlag veröffentlichten Terminen (zum Beispiel bei der Buchpräsentation am 2. März in Wien) sogar persönlich begegnen.

Krisztián Németh - Jövőnk.info

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